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Das Handwerk
Blick über die Dächer der Haller Altstadt, eine der besterhaltenen Altstädte Österreichs
»Glungezerläufer« - Metallbildhauer Rudolf Reinhart für Vielhaber-Ski 1949
...zu finden am oberen Stadtplatz, rechts einbiegen in die Mustergasse
Wagnerei - war hier die Produktionsstätte der Vielhaber-Ski?
Ein sehr ansprechender Türgriff, schönes Holz
Start ins »Skimuseum«: am Eingang unter der Decke beginnt die Skireihe in grün-weiß und schwarz-gold.
Leopold Vielhaber, älterer Bruder von Joe Vielhaber - der mit den Motorrädern - produzierte ebenfalls Ski: in Schottland.
Die Vielhaber-Modelle fotografiert von Gerald Aichner (Alpenverein Hall)
Dieser Schuh und die Bindung sehen nach Langlauf aus
Skispitze mit Zier- bzw. Schutzkante, schön gestaltetes Firmenzeichen
Ein Modell der 1960er Jahre
Bild 19 und 20: Vielhabers Kinderski, Gutes Hickory-Holz auch für die Kurzen
Eschenschichtenski, 1958
Schneeteller, ca 1930er Jahre
Der älteste Ski der Präsentationsreihe befindet sich am Ende des Geschäftsraumes, sozusagen über dem »Büro«
Andrea Marra im Wollgewand, Elisabeth Andrea Frey in der »Wunderjacke«
...und so waren Haller Eisläufer vor über 100 Jahren »sportlich« gekleidet
...hier noch zwei Damen am Glungezer in Wollkleidung von Retro-Moden Hamburg
Elisabeth und Michele vor ihrem Geschäft
Die Jacken nun auch in Farbe erhältlich
 

Von Vielhaber-Ski zu PolychromeLAB: Bummel in Hall

 

Wie allgemein bekannt, besichtigen Reisende gern altertümliches, seien es Ausgrabungsstätten der Römerzeit, barocke Kirchen und mittelalterliche Burgen oder Bauernhöfe. Sicher hat noch nie jemand von Touristen gehört, die sich auf den Weg machen, um die weltweit inzwischen gleichförmigen Nutzbauten neueren Datums zu bestaunen, der Tourist sucht nach dem einzigartigen, unverwechselbaren Eindruck des landestypischen Stils, nach regionalen Spezialitäten von Bauweisen bis Küchenkünsten.Ich bilde da keine Ausnahme, nur liegt mein Interesse im Falle meines zielgerichteten Spazierganges durch die Haller Altstadt nicht in der Bauart alter Gewölbe oder zauberhafter Erker an Häusereckchen, die ich durchaus bemerke und genieße, mein Interesse liegt bei alten Holzski. Nach ihnen suche ich. Ein bekannter Tiroler Skihersteller war Leopold Vielhaber, der in seiner Werkstatt in der Haller Mustergasse im Jahr 1933 seine eigenen Ski herzustellen begann. Eine Metallfigur, genannt »Glungezerläufer«, vom Metallbildhauer Rudolf Reinhart für Vielhaber-Ski geschaffen, weist seit 1949 den Weg vom oberen Stadtplatz in die Mustergasse hinein, ich folge dem Pfeil auf dem Schild , das unter dem Skimann mit flott geschnittenem Norwegerkäppi angebracht ist.

Mustergasse 5, hier ist es, kann nur hier sein, denn der Türgriff ist ein diagonal angeschraubter alter Holzski. Im 1994 veröffentlichten Glungezerbuch »Der weisse Berg« von Gerald Aichner stand zu lesen »Dem Skigeschäft ist heute ein Ski-Museum mit den Erzeugnissen aus der 60jährigen Firmengeschichte angeschlossen«. Mit wachsender Irritation betrachte ich die in Tür und Fenster zu lesenden Informationen. »Polychromelab« ...was ist das? Jacken...Wendejacken...temperaturausgleichend...eigens entwickeltes Material...ein Bekleidungsgeschäft? Doch falsche Adresse? Ich gehe einige Schritte weiter und sehe eine Werkstatt in einem Gewölbe, »Wagnerei« entnehme ich dem alten Schriftzug an der Hauswand. Ich trete ein und kann meine Ski-Such-Frage an einen werkelnden Mann richten - der werkelt allerdings an einem Motorrad und es riecht hier ölig. Ski? - ja, nebenan hängen welche, einfach reingehen und fragen, ob Ski gucken gerade passt. Ja, der Skihersteller von einst sei sein Vater, der den Betrieb 1973 an ihn übergeben habe, aber die Skiproduktion sei jetzt längst eingestellt. Das hätte ich mir eigentlich denken können...

Also gehe ich zurück zu Mustergasse 5. Ich trete ein, da steht eine blonde junge Frau, die Geschäftsführerin Elisabeth Andrea Frey. Bevor wir uns mit Textilien beschäftigen - Sie und ich, gleiche Branche, allerdings liegen Welten zwischen den Konzepten - darf ich mir die Ski ansehen. Ein unter der Decke aufgehängtes Museum sozusagen, die Skimodelle am Eingang beginnend mit den jüngsten und letzten Produktionen, den Verlauf zurück in die 1960er...50er, 40er, und hinten am Ende des Geschäftsraumes ein Holzski der 1930er Jahre. Die Dekoration ist originell, die Ski sind teilweise in der Wand eingelassen, ein Ski schliesst an den nächsten an. Die Entwicklung der Formen und Farben bis zurück zum puren Holzski lässt sich gut nachvollziehen, auch Bindungen, Stöcker und Stiefel sind dabei. Ich bin zufrieden, die gesuchten Objekte doch noch gefunden zu haben, mache Fotos, und bin nun neugierig auf »Polychromelab«.

 

Die »Wunderjacke« - thermoregulierendes Leichtgewicht

Die nun auf dem Tisch vor mir liegende Jacke würde ich vom Stil her als ansprechend sachlich-funktional-schlicht beschreiben. Die hohe Akuratesse der Verarbeitung beeindruckt mein Schneiderherz: absolute Präzision sämtlicher Nähte, wasserdichter Nahtabdeckungen (Tapes) und milimetergenau auf Stoß schließende Leisten an den Reißverschlüssen bei einer einlagigen Wendejacke zeugen von hohem Niveau.
Das gilt auch für das Material: es handelt sich um ein eigens entwickeltes und patentiertes Drei-Lagen-Laminat. Die Wendejacke hat eine mattschwarze und eine silberne Seite, die temperaturausgleichende Wirkung erzielen. Die schwarze Seite absorbiert die Wärme bei Sonneneinstrahlung und gibt sie an den Körper ab. Dreht man die silberne Seite nach aussen, reflektiert diese die Sonnenwärme und hält den Körper kühl. Zudem ist das Material wasserabweisend, gleichzeitig aber atmungsaktiv und zudem federleicht, optimal für Sportler, die sich extremen Belastungen aussetzen und dabei wenig Gewicht mitführen wollen.
Auch meine Skepsis gegenüber moderner Sportkleidung bezüglich Umweltverträglichkeit und Geräuschkulisse kann ausgeräumt werden. Viele dieser Kleidungsstücke mochte ich nicht, da sie in der Bewegung ein unangenehm knirschendes oder scheuerndes Reibungsgeräusch von sich geben, dieses Material jedoch ist schmiegsam und geräuschlos. Bleibt noch der Punkt Umweltverträglichkeit - inzwischen ist nachgewiesen, Outdoor-Jacken dünsten Chemikalien aus, PFC und Weichmacher etc. in Outdoorbekleidung schadet Mensch und Umwelt. Bei PolychromeLab wurde auch dieser Punkt berücksichtigt,
die wasserabweisende Beschichtung des Stoffes stammt von »HeiQ BARRIER«.

Bleibt noch die letzte Frage: Wo werden die Polychrome-Produkte hergestellt? Die Antwort entspannt restlos: Ein kleiner Familienbetrieb in Turin fertigt die Jacken, alle weiteren Materialien stammen von Firmen ebenda, 100% Italia! also kurze Transportwege und Arbeitsplätze in Europa.

Fazit: Ein interessanter Bummel mit Besuch an einem quasi ski-geschichtsträchtigen Ort, an dem in mittelalterlichen Mauern einst eine regionale Skimanufaktur betrieben wurde, und die Geschichte sich nun weiter fortsetzt, indem in den alten Räumen des »Sport-Vielhaber« Winter-und Sommer-taugliche HighTech-Sportkleidung erworben werden kann. Das Neue im Alten hat mich bei meinen - leider viel zu seltenen - Tirol-Reisen immer schon fasziniert.

 

Ein Punkt macht mich als Liebhaberin von nostalgischen Kleidungsstücken aus Wollstoffen, und nach während dieses Tirol-Aufenthaltes selbst absolvierten »Testfahrten« im Damengewand mit Rock aus Wolltuch  und Pelerine jedoch ein bißchen stolz. Ich habe in meinem altertümlichen Modell nicht gefroren! Nicht einmal bei den Stürmen! Die Wärmeeigenschaften einer Schladminger Lodenjacke stehen denen der modernen PolychromeLab-Wendejacke in nichts nach, was bei einem Test nachgewiesen wurde. Im - oder am- »Forschungslabor« am Glungezer, sozusagen einer  »Freibewitterungsstation« für Textilien, wo sie härtesten Wetterbedingungen ausgesetzt auf ihre Eigenschaften getestet werden, verbrachte eine Lodenjacke eine stürmische Nacht und hielt sich wacker. Das Ergebnis des Testes wird hier von Michele Stinco und Elisabeth Andrea Frey bei Minute 19.39 präsentiert.

Nur schwerer ist der Klassiker aus Wollstoff natürlich. Ausserdem beschwerte sich mein Herren-Blouson-mit-Wollhose-Typ1930er-Testfahrer über den an der Wolle haftenden Schnee... ja so ein Lappen!

 

Die Jacken sind umgezogen:

polychromelab GmbH

Serfauser Feld 6

6534 Serfaus – Fiss – Ladis

Österreich

 

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