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Das Handwerk

Rinn - klicken Sie auf ein Foto für eine vergrößerte Darstellung

 
 
 

Damals 1970er Jahre - Spaziergänge nach Rinn: Zangerles Schwedenbomben und der »Walli-Walli-Wald«

Dieser Spaziergang war ein jährlich wiederholtes Urlaubsritual. Vom Hotel aus ging man nach rechts Richtung Rinn das starke Gefälle der Straße hinunter zum Sägewerk. Wenn ich heute frisch gesägtes Holz schnuppere, sehe ich vor meinem inneren Auge sofort die entasteten langen Stämme, wie sie von zwei Männern in die riesige Säge geschoben wurden, fliegende Späne, Duft nach Harz und Holz, und daneben plätscherte ein klarer Gebirgsbach den Hang herab. Weiter nach Rinn, begann die Vorfreude: Schwedenbomben lockten da! Bei Zangerle sollten die für den Waldbesuch wichtigen Erdnüsse gekauft werden, diese unvergleichlichen Schwedenbomben waren das Tüpfelchen auf dem »i«. Genau DIE gab es in Hamburg nicht, und so zappelten wir schon den ganzen Weg herum. »Dürfen wir, dürfen?!? Bitteeeee?«, bis die zuerst immer mit »Ja... vielleicht - mal sehen....« antwortenden Eltern sagten »Naaaguuuut - jeder aber nur eins«. Wir stürmten die Treppe hoch, rissen die Ladentür auf, ein Türglöckchen erklang, und wir trugen unsere Wünsche vor. Da lagen sie, kleine Schaumküsse mit Kokosstreuseln, und dufteten... hmmmm... Die lächelnde Dame hinter der Ladentheke packte die Nüsse und die Küsse in Papiertüten, wir durften dann sogar jeder zwei kaufen! Und die ersten wurden vor dem bezaubernden kleinen Dorfladen sofort verspeist, das Innere locker leicht und frisch, nicht weiß, sondern cremefarben und aromatisch, hmjammmm.

Dann gingen wir die Straße Richtung Judenstein entlang, um ein bestimmtes Waldstück zu erreichen, von dem unser Vater behauptete, es hieße Walli-Wald, weil die Tiere, vorzugsweise Eichhörnchen, wenn man leise »walli-walli-walli« rief, ankämen, und sich von uns Erdnüsse holten. Er sagte, das wäre nur in diesem Wald so, und das nur hier die Tiere den Lockruf verstünden. Es funktionierte! Wir legten eine Nuss in die Handfläche und gingen mit vorgestreckter Hand in die Hocke. Die possierlichen Tierchen kamen heran geflitzt, hielten kurz an, beguckten uns prüfend aus blanken Äuglein, als würden sie schwer nachdenken, griffen blitzschnell die Nuss und huschten davon, den Waldboden entlang in ein Versteck oder die Bäume hoch. Wieder riefen wir leise »Walli-Walli«, und es kamen immer mehr Eichhörnchen. Am Tollsten war es, wenn sie nicht gleich davonrannten, um ihre Beute in Sicherheit zu bringen. Eines nahm die Nuss und begann sie zu knacken, so konnte man das niedliche Tier genau betrachten, zauberhaft!

Eines Tages war kein einziges Eichhörnchen zu sehen... aber die Vögel würden vielleicht auch den Walli-Lockruf verstehen? Wir knackten die Nüsse auf und boten die Nussbrösel auf ausgestreckter Handfläche den Vögeln an. Und tatsächlich, es kamen welche! Sie setzten sich auf unsere Hände und pickten die gebotene Mahlzeit auf, flogen weg und kamen wieder. Sie schienen keine Angst zu haben, es war ein wunderschöner Moment, wenn sich einem so ein winziges Federbällchen vertrauensvoll auf die Hand setzte. Man hatte die Möglichkeit, wenige Sekunden lang ganz, ganz nah anzuschauen, wie hübsch die Vögelchen waren, wie schön die Federkleidchen, ihre dünnen Beinchen und die wachsamen blanken Äuglein, eine Handvoll zarter lebendiger Schönheit.

Diese Waldbesuche waren schöner als Zoobesuche. Natürlich ist ein Zoo klasse, im Alpenzoo waren wir auch gern, die verschiedenen dort zu betrachtenden Tiere bekäme man im Normalfall nie zu Gesicht. Jedoch...Luchsen, Bären und Wölfen  würde ich nicht unbedingt nur mit einer Erdnusstüte bewaffnet im Walli-Wald begegnen wollen...


Das Erlebnis, kleinen Tieren ohne Käfige begegnen zu können, war etwas Besonderes.

 

Heute

Zangerles Handlung gibt es heute nicht mehr, schade... Das Sterben kleiner Einzelhändler kann in Dörfern ebenso wie in Großstädten mit Wehmut beobachtet werden...


Aber der Wald ist noch da! Und Erdnüsse wird man sich rechtzeitig besorgen können. Wink

 

Natürlich sind wir nicht nur durch den »Walli-Wald« spaziert - ich weiß übrigens bis heute nicht, welchen Namen dieses spezielle Waldstück hat. Es gab und gibt vielfältige Möglichkeiten, Natur und Wald zu erkunden. Einen herrlichen Waldspielplatz gibt es in Rinn, das Glanzlicht ist ein Bach, der mitten über den Platz fließt und an dem man aus Steinen und Hölzchen tolle kleine Dämme bauen kann. Der Waldspielplatz liegt am Weg zur Rinner Alm. Des Weiteren finden sich eine Menge Tips unter »Naturerlebnisse«.

Rodeln Rinner Alm- huih, da geht die Post ab! Hier findet sich eine genaue Beschreibung und hier kann man mal mitrodeln. Mir ist der Rodel-Kameramann allerdings eine Spur zu schnell, ich gehe die Dinge lieber etwas langsamer an...