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Das Handwerk

Vom Baum zum Ski

Mächtige Eschenstämme liegen zur Verarbeitung bereit
Der »Vollgatter« zerschneidet sie zu »Pfosten«
Die Lagerung der Pfosten zum Zwecke der Lufttrocknung
Die Bandsäge schneidet aus den Pfosten die Rohform des Skis
Nun wird die grobe Latte in der Hobelmaschine bearbeitet
Das Seitenprofil wird geprüft
Durch eine Spezialmaschine wird das Flächenprofil hergestellt
Die Spitzen werden geprüft
Die Spitzen werden gebogen
Die Trockenkammer: 1 Woche bei 60 Grad
Die Mitteldurchbiegung
Letzter Herstellungsvorgang : das Spritzlackieren
Nicht nur allein der gewaltige Fortschritt der Technik, sondern auch die verbreitete Beliebtheit des Wintersports und damit der Massenbedarf haben dem Ski zu einer maschinellen Herstellung verholfen, und zwar, wie ich gleich vorweg betonen will, nicht zu seinem Nachteil. Obwohl es natürlich noch genug Wagner - denn an dieses Gewerbe ist die Herstellung gebunden - die der Erzeugung nur durch ihrer Hände Arbeit, also ohne maschineller Hilfe obliegen, greift jene immer mehr und mehr um sich, und es ist nicht uninteressant, den Werdegang eines derart beliebten Wintersportgerätes vom Rohstoff bis zum Fertigprodukt in den einzelnen und wichtigsten Erzeugungsabschnitten in einem mit modernen Mitteln arbeitendem Betriebe kennenzulernen.

Es hat natürlich nicht an Versuchen gemangelt, auch andere Holzarten als die der Esche zur Herstellung zu verwenden. Doch stellt sie letzten Endes die geeignetste Holzart dar in Bezug auf Preis und Qualität und besitzt ausserdem den Vorteil, daß wir im Inland die allerbesten Bestände, gerade für die Skierzeugung, aufzuweisen haben. Hickory (amerikanische Nuß) ist zwar dauerhafter, dafür aber wesentlich teurer. Ausser diesen beiden kommt nur noch die Birke und in sehr geringem Ausmaß Ahorn, Ruste oder Fichte zur Verarbeitung. Der Arbeitsvorgang ist bei den einzelnen Arten des Rohstoffes derselbe.

Schon der Ankauf der Stämme setzt gewisse Bedingungen für das Werden eines Skis voraus, da es durchaus nicht gleichgültig bleibt, ob der Baum auf trockenem oder feuchten, erdigem oder sandigem Grunde, rasch oder langsam gewachsen ist. Nebst dem Alter wird auch die Beschaffenheit (gerader Stamm, Astknoten) sicherlich von großem Einfluß auf das Werdende sein. Wie man aus diesen wenigen, nur auszugsweisen Gesichtspunkten sieht, erheischt der Einkauf des Holzes die größte Umsicht und Fachkenntnis, soll das Endprodukt den Sportler voll und ganz befriedigen.

Nach der Schlägerung wird der Baum von den Ästen befreit und in Stämme von gewünschter Länge zersägt. Jedoch nur jene Stämme finden als Werkholz, im Sinne der Skierzeugung, Verwendung, die den Baum bis zum Ansatz der Äste darstellen. Diese Stämme werden in eine Säge befördert, wo sie von einem »Vollgatter«, d.h. von einer Anzahl vertikalen, sich in rascher Aufeinanderfolge auf - und abbewegenden, parallelen Sägen, in Pfosten zerteilt werden. Dieser elektrisch betriebene Gatter schneidet innerhalb weniger Minuten selbst die dicksten Stämme der Länge nach in Pfosten von doppelter Skistärke durch. Die äussersten Schnitte werden gleich als Abfallprodukt anderwärtiger Verwendung zugeführt, während das Übrige in das Lager des Skitischlers (Wagners) wandert. Hier wird es einstweilen geordnet und zwecks der ungemein wichtigen Lufttrocknung in Größen geschichtet aufbewahrt. Die Lufttrocknung erklärt sich daraus, daß nur frisches, gesundes, in jeder Hinsicht lebensbeständiges Holz geschlägert wird, das natürlich den in sich aufgespeicherten Saft (Wasser) nicht plötzlich, sondern, ohne dabei Schaden zu erleiden, nur langsam unter Luftzutritt abgeben kann, bis sowohl eine für den Arbeitsvorgang als auch für spätere Zwecke notwendige Entwässerung eingetreten ist. Häufig erfolgt schon nach wenigen Monaten eine weitere Zerkleinerung des Pfostens in die Form des Skis (Latte) und letzten Endes das Halbieren. Auf diese Art entstehen kongruente Latten - das zukünftige Paar -, die als zueinander gehörend bezeichnet werden und nun, neuerdings zu Stößen aufgeschichtet, vorläufig auf längere Zeit ein beschauliches Dasein fristen dürfen. Hat das Holz während des Lagerns an der Luft genügend Feuchtigkeit abgegeben, so ist es reif für die weitere Behandlung.

Nach solchen einleitenden Arbeiten setzt erst die eigentliche Gestaltung des Holzes ein. Als erste dieser Art hat die grobe Latte ein Hobeln über sich ergehen zu lassen, bis sie durchaus flächeneben wird. Verwendung dazu findet eine große, elektrisch betriebene Hobelmaschine. Darauf wird sie in eigenen Leitschlitten auf der Fräsmaschine entlang eines vertikalen, mit Messern besetzten Kopfes gezogen, der auf der Schmalseite das Zuviel herausnimmt. Auf der gleichen Maschine, nur durch das Auswechseln des Kopfes mit Spitzfräsen, werden auch die Spitzen herausgefräst. Nochmaliges Auswechseln (der Spitzenfräsen), Entlangziehen auf einer besonderen Vorrichtung, und schon ist die schnurgerade Laufrinne, wie man sie mit der Hand schwerlich so leicht zusammenbringen würde, fertig. Eine in ihrer Eigenart bemerkenswerte Maschine übernimmt nun den Ski.

Wie bekannt, besitzt der Ski ja verschiedene Dicken ;  um dies zu erzielen, greift diese besondere Maschine ein, und innerhalb sehr kurzer Zeit ist ein Paar, denn sie bearbeitet zwei Ski gleichzeitig, vollkommen kongruent bei der Schaufel und vor den Enden ausgehobelt. Dieses Ungetüm von einer Maschine ( bis 8000 Umdrehungen in der Minute ) besitzt eine Welle mit sechs Messern. Darüber hinweg läuft ein kippbarer Schlitten aus zwei schweren Traversen auf auswechselbaren und entsprechend geformten Modellen. Gemäß der Form der Modellleiste sinkt der Schlitten mehr oder weniger tief zur Welle herab, was zur Folge hat, daß der Ski mehr oder weniger ausgehobelt wird. Beim gekehlten Ski erfolgt nun das Putzen der Kehlung durch Handarbeit. Dadurch erhöht sich die Handarbeit auf ungefähr 60 %, während sie beim flachen Ski nur ungefähr 25 % beträgt.

Nun folgt eine für den werdenden Ski abermals sehr wichtige und ungemein verantwortungsvolle Behandlung, das Biegen. Wer könnte nicht aus eigener Erfahrung ein Lied singen über mangelhafte oder wieder zurückgegangene Spitzen und Mittelbiegung oder gar über einen verzogenen Ski? Alle diese Fehler, die für den Laien nicht erkennbar und beim Kauf nicht sichtbar sind, wo eben nur die empfohlenen und erprobte Marke bürgen muß, resultieren aus ungenügender oder unsachgemäßer Behandlung.

In Fortsetzung der Behandlungsvorgänge kommt der Ski in eine Dämpfungskammer, wo er einige Zeit heißem Dampf unter Druck ausgesetzt wird. Unmittelbar darauf wird er mit den Spitzen über eine in der Form der Spitzenbiegung gebogene und mit Dampf erhitzte Stahlplatte festgeschraubt und einige Stunden darauf belassen, bis die durch die Dämpfung eingedrungene Feuchtigkeit infolge der Wärme der Stahlplatte wieder zum Verdunsten gebracht wurde. Und unmittelbar darauf wieder auf eigene Formen für die Mitteldurchbiegung aufgeschraubt und ungefähr eine Woche lang in einer Trockenkammer bei einer Temperatur von 60 Grad belassen. Häufig wird der Ski vorher noch auf einem sogenannten Bock vorgebogen.

Der hier angegebene Vorgang des Biegens ist durchaus nicht so einfach, wie dies vielleicht die wenigen Worte erscheinen lassen. Darin gipfelt nämlich die tüchtige Arbeit sowie die Erfahrung vieler Versuche, und aus diesem Grund ist es schwer, genauere Angaben als die der schematischen Darstellung zu bringen. Mit der Trockenkammer aber endet für den Ski die Folge der gewaltsamen Formveränderungen, und er verläßt sie als Endrohprodukt maschineller Herstellung.

Da die Oberfläche des Skis nach glücklich überstandenen Behandlungen durch die verschiedenen Maschinen zu rauh wäre, muß sie fein geschliffen werden. Dazu ist eine Schleifmaschine in Verwendung, die dem Wesen nach aus einem kurzen, um seine Achse rotierenden, mit Schleifpapier überzogenem Zylinder besteht. Da auch die glatte, aber rohe Oberflächenbeschaffenheit keinen nennenswerten Widerstand dem Schnee und den Witterungseinflüssen entgegenzusetzen imstande wäre, muß die Oberfläche wetterbeständiger und nicht zuletzt auch dem Auge angenehmer gestaltet werden. Dem wird durch ein kombiniertes Verfahren abgeholfen. Zuerst wird der Ski mit einer (Spiritus-) Beize von geeigneter Zusammensetzung eingelassen. Damit erhält der Ski einerseits die Grundfarbe, und andererseits dient sie als Bindeglied zwischen dem Holz und dem darauffolgenden Lackieren. Dieses geschieht heute mittels eines Spritzlackierapparates, der die Lackmischung so feinzerstäubt aufträgt, wie man es früher durch Pinselführung nie zusammengebracht hätte. Auch darin liegt ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn je glatter die Oberfläche, je weniger Angriffsfläche bietet sie den schädigenden Einflüssen.

Mit dem Marken - und Nummernstempel erhält der Ski sozusagen sein Reifezeugnis und ist bereit, von kritischen Augen auf Herz und Niere geprüft zu werden. Ich habe nun versucht, in knappen Worten die moderne Skierzeugung, soweit sie für den Sportler von Interesse sein kann, zu schildern. Zum Schluß aber will ich nochmals darauf hinweisen, daß wir in den Alpen ganz hervorragende Erzeuger (Wagner) haben, geschweige von den nicht zu übertreffenden Eschenbeständen, und ich glaube nicht überheblich zu sein, wenn ich behaupte, daß unsere Markenartikel denen der nordischen Marken in jeder Hinsicht zumindest ebenbürtig sind.

Autor: Ernst Burian
»Sport im Winter« Heft 1, November 1932, Seite 30 - 32, Fotograf unbekannt

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